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  3. Wiener Sozialpartnerdialog: „Wasser ist Leben.“

Wiener Arbeiter-, Landwirtschafts- und Wirtschaftskammer, Gewerkschaften und Industriellenvereinigung entwickeln zusammen Lösungen für Zukunft der Stadt

20. Oktober 2026
Josef Siffert
Nachrichten

Mit einer Auftakt-Konferenz im Oktober 2026 zum Thema „Hitze in der Stadt“ haben die Arbeiterkammer Wien (AK Wien), die Landwirtschaftskammer Wien (LK Wien), die Gewerkschaften, die Wirtschaftskammer Wien (WK Wien) sowie die Wiener Industriellenvereinigung (IV Wien) den „Wiener Sozialpartnerdialog“ gestartet.

Diskutiert wurden die Themen „Hitze in der Stadt und ihre Auswirkungen auf Arbeitsbedingungen, öffentlichen Raum und Unternehmen.“ Ziel ist eine Stärkung des Wirtschafts- und Arbeits-Standorts Wien, eine innovative Infrastruktur für die Menschen in Wien sowie gute Rahmenbedingungen für Unternehmen und Beschäftigte während der Heißperiode im Sommer. Der „Wiener Sozialpartnerdialog“ setzt für dieses Miteinander unterschiedlicher Interessensvertretungen auf regionaler Wiener Ebene einen neuen Rahmen. In jährlichen Konferenzen wird ein wichtiger Themenbereich diskutiert und ausgelotet, welche gemeinsamen Projekte 2027 entwickelt und zusammen vorangetrieben werden können.

Walter: „Wasser ist Leben; ohne Wasser kein Leben.“

„Wasser ist Leben; ohne Wasser kein Leben“, begann Norbert Walter, Präsident der Landwirtschaftskammer Wien sein Statement: „Gerade Themen wie Klimawandelanpassung, Wassermanagement, Fachkräftesicherung und attraktive Zukunftschancen für junge Menschen erfordern einen engen Zusammenschluss aller Sozialpartner. Wir freuen uns, als Landwirtschaftskammer Wien unsere Expertise aus Landwirtschaft, Umwelt und regionaler Versorgung in diesen Dialog einzubringen.“ Der LK-Präsident ging auf den Hitzesommer ein: „Wer auf den Wiener Hausbergen unterwegs war, konnte die Auswirkungen mit freiem Auge erkennen. Jüngste Zahlen von GeoSphere Austria und Hagelversicherung zeigen, dass im Vergleich zum 10-jährigen Durchschnitt in den agrarischen Gebieten Wiens zwischen 55 und 75 % weniger Regen gefallen ist. Wenn man weiß, dass 80 % des Ertrags unmittelbar vom Wetter abhängen, wird die Dramatik klar: Wien braucht jetzt ganz dringend einen umfassenden Wassermanagement- und Wassersicherungsplan für die Stadtlandwirtschaft.“

Walter ergänzte: „Die Wiener Stadtlandwirtschaft setzt schon seit Jahren aktiv Schritte, um die Folgen des Klimawandels abzumildern. Unsere Betriebe steigen in vermehrtem Ausmaß auf biologischen Landbau um, reichern den Humusgehalt der Böden an, um mehr Wasser speichern zu können, optimieren die Fruchtfolgen und Sortenauswahl und verwenden die jeweils beste Technik für eine sparsame Wasserverwendung. Dennoch bringen solche Dürrejahre die Höfe schnell an ihre Grenzen. Für viele Betriebe haben solche Wetterextreme mittlerweile auch eine wirtschaftliche Dimension. Sinkende Erträge, steigende Bewässerungs- und Energiekosten belasten die Betriebe erheblich. Wenn mehrere Jahre mit schwierigen Wetterbedingungen aufeinanderfolgen, kann dies für einzelne landwirtschaftliche Familienbetriebe durchaus existenzbedrohende Ausmaße annehmen.

Betriebe mit mehreren Standbeinen sind hier oft etwas besser abgesichert. Wer beispielsweise auch Direktvermarktung, einen Heurigen oder Bildungsangebote anbietet, kann solche Extremen teilweise besser abfedern. Dennoch stellen die zunehmenden Wetterextreme die gesamte Branche vor große Herausforderungen.“

Walter abschließend: „Gerade, weil viele Herausforderungen heute nur gemeinsam gelöst werden können, ist es wichtig, unterschiedliche Perspektiven auf einen Tisch zu bringen.

Uns ist wichtig, dass die Anliegen der Wiener Stadtlandwirtschaft gehört werden und wir unsere Expertise aus der Praxis einbringen können, besonders in den Bereichen Landwirtschaft, Umwelt und Natur. Themen wie Klimawandelanpassung, Boden- und Wasserschutz oder regionale Lebensmittelversorgung gewinnen zunehmend an Bedeutung und genau hier können wir wichtige Impulse liefern. Unsere bisherige Erfahrung ist, dass der Dialog sehr konstruktiv und offen geführt wird. Man merkt, dass alle Beteiligten ein gemeinsames Ziel haben, Wien zukunftsfit zu gestalten. Dabei entstehen oft neue Blickwinkel und Ideen. Die großen Herausforderungen unserer Zeit, von der Klimaanpassung bis zur nachhaltigen Versorgung der Stadt, lassen sich nur gemeinsam bewältigen.“

Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien

Renate Anderl, Präsidentin der Arbeiterkammer Wien: „Die Klimakrise und all ihre Folgen wie Hitze und Trockenheit sind auch für unsere Stadt eine große Herausforderung. Um Wien klima- und zukunftsfit zu machen, brauchen wir gut ausgebildete Fachkräfte in klimarelevanten Zukunftsberufen. Es ist wichtig, dass wir als Sozialpartner gemeinsam Verantwortung übernehmen und in Aus- und Weiterbildung investieren sowie nachhaltige Maßnahmen setzen. Nur so können wir sicherstellen, dass die Menschen in Wien auch in Zukunft gesund und sicher arbeiten können.“

Sandra Steiner, designierte ÖGB-Vizepräsidentin: „Der vergangene Sommer war für viele Arbeitnehmer:innen eine enorme Belastung. Denn wenn die Temperaturen steigen, steigt auch die Belastung am Arbeitsplatz – besonders für jene, die im Freien, im Pflege- und Gesundheitsbereich, in Kinderbildungseinrichtungen, im Dienstleistungsbereich und in nicht-klimatisierten Büros und Arbeitsstätten arbeiten. Es braucht daher klarere Regeln und einen Schulterschluss aller Sozialpartner, damit wirklich alle Beschäftigten in heißen Sommern sicher und gesund arbeiten können. Als Sozialpartner arbeiten wir gemeinsam an Lösungen, um das Leben der Menschen in unserer Stadt zu verbessern, die Beschäftigten zu schützen und die Betriebe bestmöglich zu unterstützen.“

Margarete Kriz-Zwittkovits, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien: „Wenn Wien im Sommer 40 Grad erreicht, ist das auch eine konkrete Herausforderung für die Wirtschaft: auf der Baustelle, in der Produktion, im Geschäft und in der Gastronomie. Betriebe müssen ihre Arbeit organisieren und ihre Leistungen anbieten können; zugleich müssen Menschen gesund arbeiten können. Dafür braucht es praktikable Regeln, mehr Schatten und gute Kühlung. Auch die Digitalisierung verändert ganze Berufsbilder. Unternehmen brauchen passende Fachkräfte, und Menschen brauchen Weiterbildung über ihr gesamtes Berufsleben. Seit dem Auftakt des Wiener Sozialpartnerdialogs arbeiten wir an diesen Fragen. Jetzt wollen wir daraus gemeinsame nächste Schritte für 2027 machen.“

Johannes Höhrhan, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien: „Der heurige Ausnahme-Sommer hat eines symptomatisch gezeigt: Wir stehen als Gesellschaft und als Stadt vor einer ganzen Reihe an Herausforderungen, die wir nicht mit dem simplen Austausch von Überschriften und Positionen werden lösen können. Der Dialog miteinander, die in die Tiefe gehende Debatte über Themen wird immer wichtiger, damit wir gemeinsam pragmatische Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit intensiv diskutieren können.“

Quelle: https://wien.lko.at/startschuss-f%C3%BCr-wiener-sozialpartnerdialog+2400+4467232

Das Foto zeigt (v.l.): Johannes Höhrhan (Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Wien), Margarete Kriz-Zwittkovits (Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien), Sandra Steiner (designierte ÖGB-Vizepräsidentin), Renate Anderl (Präsidentin der Arbeiterkammer Wien), Norbert Walter (Präsident der Landwirtschaftskammer Wien)

Foto: Edgar Ketzer/Gewerkschaft GPA

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